Freitag, 11. August 2017

[Rezension] Das einzig coole Pferd, die Killerenten und ich von Dagmar Hoßfeld

Ab 8 Jahren
2 CDs, 169 Minuten Laufzeit
ISBN: 978-3-86742-475-2
Erschienen: 22.02.2013
Gekürzte Lesung mit Jodie Ahlborn


Klappentext:

Ponys? Pferde? Über Blumenwiesen galoppieren? Nein, danke. Lotte fährt lieber Skateboard. Bis sie einen Schnupperreitkurs gewinnt, Motte – das coolste Pferd der Welt – kennenlernt und das Geheimnis der Killerenten löst. Ein unglaublicher Sommer mit Lotte – frisch erzählt von Jodie Ahlborn.


Rezension:


Dieses Hörbuch stand ja schon etwas länger auf meiner Wunschliste. Da ich die Kinderbücher von Dagmar Hoßfeld sehr gerne mag und ich auch Pferdegeschichten immer wieder gerne lese und höre, wollte ich diese Geschichte unbedingt kennenlernen. Die Sprecherin Jodie Ahlborn konnte mich bereits in anderen Hörbüchern mit ihrem Erzähltalent begeistern, daher habe ich mich hier für die Hörfassung entschieden.

Lotte ist nicht eines dieser typischen Pferdemädchen. Nee, mit diesen Vierbeinern hat Lotte nichts am Hut. Viel lieber dreht sie eine Runde auf ihrem coolen Skateboard anstatt ihre Zeit auf dem Rücken eines Pferdes zu verbringen. Dann aber eröffnet in der Nähe ein neuer Pferdehof. Es gibt zur Eröffnung eine Einweihungsfeier, zu der Lotte von ihrer Mutter mitgenommen wird. Dort kauft sie sich Lose und eines davon ist tatsächlich ein Hauptgewinn! Allerdings ist sie über diesen Gewinn alles andere als glücklich. Denn Lotte hat einen Schnupperreitkurs auf dem neuen Pferdehof gewonnen. Nur widerwillig nimmt sie daran teil. Sehr schnell aber merkt Lotte, dass Pferde eigentlich doch richtig toll sind! Ganz besonders Motte, ein sehr süßes Islandpferd. Ehe es sich Lotte versieht, ist auch sie von dem Pferdevirus ansteckt worden. Dieser Sommer wird also ganz anders, als von ihr erwartet. Nicht nur, dass sie in diesem ein Pferdemädchen wird, nein, dieser Sommer hat noch viel mehr zu bieten. Der Pferdehof läuft nämlich nicht gut, da sich nur sehr wenige Reitschüler angemeldet haben. Lotte möchte die Schließung unbedingt verhindern und denkt sich einen tollen Plan aus. Und dann ist da noch dieses Schulprojekt, welches sie ausgerechnet mit dem Blödmann Max Müller zusammen machen muss. Bei Lotte Blunck ist gerade so einiges los, das ist mal sicher!

Schon das Cover macht deutlich: hier erwartet einen eine lustige und turbulente Geschichte! Und das Cover verspricht auch nicht zu viel. Mit „Das einzig coole Pferd, die Killerenten und ich“ ist Dagmar Hoßfeld eine richtig schöne und warmherzige Geschichte für junge Mädchen ab 9 Jahren gelungen.
Mir hat das Zuhören hier sehr viel Spaß gemacht! Die Handlung ist originell und sehr unterhaltsam. Als Zuhörer erfahren wir alles aus der Sicht von Lotte. Lotte war mir sofort sehr sympathisch gewesen. Mir hat besonders gut ihre Entwicklung gefallen. Am Anfang stöhnt sie noch beim Thema Pferde und ist eher der Jungentyp. Sie unternimmt mehr mit Jungen als mit Mädchen und liebt es auf ihrem Skateboard ihre Runden zu drehen. Mädchen, bei denen sich alles um Pferde dreht, kann Lotte nicht verstehen. Dann aber merkt sie bei dem Schnupperreitkurs, welchen sie bei einer Tombola gewonnen hat, wie toll diese wundervollen Tiere doch sind. In Motte, ein süßes Islandpferd, verliebt sie sich sofort. So schnell kann das also gehen: einmal ein bisschen Pferdestallluft schnuppern und schon ist man vom Pferdevirus infiziert. Die Geschichte handelt also sehr viel von Pferde und ist daher besonders pferdebegeisterten Mädchen zu empfehlen.

Dieses schöne Hörbuch hat aber auch noch so einiges mehr zu bieten. So ist der Punkt Freundschaft hier auch sehr wichtig und auch das Thema Familie steht sehr im Vordergrund. Dann ist die Geschichte in einem sehr modernen und altersgerechten Schreibstil verfasst worden, der die Zielgruppe wunderbar ansprechen wird. Die Geschichte ist an keiner Stelle langweilig und wird herrlich humorvoll von Lotte erzählt. Mit ihr werden sich Mädchen sehr gut identifizieren können. Man muss auch kein Pferdemädchen sein, um dieses Buch/Hörbuch zu mögen. Da Lotte ja am Anfang auch nicht so begeistert von diesen Vierbeinern war, werden sich zumindest am Anfang nicht Pferdefans in Lotte wiederfinden. Und wer weiß, vielleicht bewirkt diese Geschichte ja, dass Noch-nicht-Pferdemädchen beim Zuhören dieser lustigen Geschichte plötzlich auch die Lust verspüren, einmal auf einem Pferd zu reiten und die weichen Nüstern dieser wundervollen Tiere zu streicheln.

Vorgelesen wird dieser schöner Hörspaß von Jodie Ahlborn. Diese liest mal wieder grandios! Sie betont genau richtig und hat eine sehr angenehme Stimme. Für solche Hörbücher, in denen aufgeweckte und freche Mädchen die Protagonisten sind, ist ihre Stimme einfach nur perfekt!

Es ist fast schon eine Schande, dass dieses tolle Hörbuch so lange auf meiner Wunschliste stand. Ich hätte es mir schon viel früher anhören sollen, denn es hat mir wirklich richtig gut gefallen und mich auch immer wieder sehr zum Schmunzeln gebracht. Das lag zum einen an der einfallsreichen Handlung, aber auch an der lustigen Art, wie Jodie Ahlborn manche Stellen betont.
Kinder werden hier auf jeden Fall jede Menge Spaß beim Zuhören haben! Die Geschichte ist allerdings eher Mädchen zu empfehlen. Zumindest denke ich, dass Jungen dieses Hörbuch zu mädchenhaft finden werden. Allein schon, weil die Protagonistin weiblich ist.

Ich würde eine Fortsetzung ja sehr begrüßen! Ich finde die „Carlotta“- Reihe von Dagmar Hoßfeld echt super und hoffe ja, dass dieses Buch bzw. Hörbuch der Auftakt einer neuen Reihe von ihr sein könnte. Nur da es vor gut vier Jahren erschienen ist und noch kein weiterer Teil angekündigt worden ist, habe ich ja die Befürchtung, dass es hier bei einem Einzelband bleiben wird. Was ich wirklich schade finden würde, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass man mit Lotte noch viele weitere tolle Abenteuer erleben könnte!

Fazit: Hier erwartet einen ein witziger und turbulenter Hörspaß, der ganz besonders Mädchen ab 9 Jahren sehr zu empfehlen ist. Pferdemädchen kann ich das Hörbuch ganz besonders ans Herz legen, aber auch weniger pferdebegeisterte Zuhörer werden hier bestens unterhalten werden. Die Mischung aus den Themen Pferde, Freundschaft, Alltag und Abenteuer ist der Autorin wunderbar gelungen, sodass hier sicher jedes Mädchen viel Spaß beim Zuhören haben wird. Jodie Ahlborn liest diese originelle Geschichte perfekt und beschert einen 169 Minuten lang ein tolles Hörerlebnis! Von mir bekommen Lotte, Motte und die Killerenten volle 5 von 5 Sterne!






Mittwoch, 9. August 2017

[Rezension] The Hate U Give von Angie Thomas

Ab 14 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-570-16482-2
Erschienen: 24.07.2017

Klappentext:

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen...

Quelle: cbt Verlag

Rezension:

Da dieses Buch ja so gehypt wird und es nach seinem Erfolg in den USA nun auch bei uns in aller Munde ist, wollte ich „The Hate U Give“ auch unbedingt lesen. Das Cover fand ich nicht so wirklich ansprechend und auch der Klappentext hatte mich nicht sofort angesprochen. Da ich aber wissen wollte, warum der Hype um diesen Jugendroman so groß ist, habe ich mir das Buch dennoch gekauft und sogleich mit dem Lesen begonnen.

Das Buch handelt von der 16-jährigen Starr, die mit ihrer Familie in einem verarmten Ghettoviertel wohnt. Ihre Schule dagegen ist eine teure Privatschule, an der sie eine von wenigen Schwarzen ist. Starr lebt also in zwei völlig verschiedenen Welten. Sie ist eher zurückhaltend und steht nicht gerne im Mittelpunkt. Als sie dann aber mitansehen muss, wie ihr Freund Khalil völlig grundlos von einem weißen Polizisten erschossen wird, rückt sie als einzige Zeugin ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Viele halten den Tod von Khalil für gerechtfertigt, da er mit Drogen gedealt hat und angeblich Mitglied in einer Gang war. Auch verbreitet der Polizist, der Khalil erschossen hat, die Lüge, Khalil wäre bewaffnet gewesen. Starr weiß, wie es wirklich gewesen ist und sie will ihren Freund verteidigen. Mit ihrer Aussage hofft sie, dass Khalils Mörder angeklagt und gerecht bestraft wird. Allerdings bringt Starr sich und ihre Familie damit auch in große Gefahr. Das Leben im Ghetto ist hart und brutal und Starr muss eine wichtige Entscheidung treffen, die nicht nur ihre Zukunft, sondern auch die ihrer Familie beeinflussen wird…

Mich konnte die Geschichte vom ersten Moment an packen. Wir erfahren alles aus der Sicht der 16-jährigen Starr, die in einem ständigen inneren Konflikt steht. Zu Hause lebt sie in verärmten Verhältnissen, muss Schießereien mit ansehen und kriegt die Drogenszene hautnah mit. Dass ihr kleiner Bruder zum Spielen auf die Straße geht, ist völlig undenkbar.
Der totale Kontrast dagegen ist ihre Schule, eine Privatschule, die hauptsächliche Weiße besuchen. Hier ist die 16-jährige eine ganz andere Starr. Sie verstellt sich, damit sie akzeptiert wird. Starr ist nicht glücklich mit ihrem Leben und als Leser bekommt man einen sehr guten Zugang zu ihren Gefühlen und Gedanken und kann diese nur zu gut nachvollziehen.
Ich habe bisher nur sehr wenige Bücher gelesen, die das Thema Rassismus behandeln. Es ist zwar ein wichtiges und sehr aktuelles Thema, aber eben auch keine leichte Kost. The Hate U Give konnte mich vom ersten Moment an packen und hat mich sehr berührt. Angie Thomas schildert das Leben im Ghetto genau so wie es ist und verschönt nichts. Dass Starrs Freund Khalil einfach so, ohne jeglichen Grund, von einem weißen Polizisten erschossen wird, ist schockierend, aber ganz bestimmt nicht unrealistisch. Man liest und hört ja immer wieder, wie ungerecht schwarze Menschen gerade in den USA behandelt werden.
Dieses Buch hat mich in Entsetzen, Fassungslosigkeit und Trauer versetzt. Ich habe mir bisher nie näher vorgestellt, wie das Leben für Schwarze in einem Armenviertel ist, aber mit The Hate U Give habe ich einen sehr guten, und leider auch nur zu realistischen, Eindruck bekommen. Ich bin ganz ehrlich, ich halte mich von solchen schlimmen Themen immer lieber fern. Mich macht es immer sehr traurig zu sehen, wie ungerecht viele Menschen aufgrund ihrer Herkunft behandelt werden.

Es war aber auf jeden Fall eine gute und richtige Entscheidung gewesen, dieses Buch zu lesen. Und da es sich um einen Jugendroman handelt, hält sich der Ernst natürlich noch in Grenzen. Angie Thomas ist es wunderbar gelungen, diese Geschichte nicht zu brutal zu schreiben und genau die richtige Dosis Humor mit einfließen zu lassen. So hat mich das Buch nicht nur sehr berührt und schockiert, sondern stellenweise auch zum Lachen gebracht.
Der Schreibstil ist eindeutig der Altersgruppe angepasst. Er ist recht einfach und meiner Meinung nach nichts wirklich Besonderes. Für dieses Buch aber ist er genau richtig. Die Verwendung des amerikanischen Slangs empfand ich als sehr passend, auch wenn mir viele Begriffe nichts gesagt haben und ich immer wieder hinten im Glossar nachschlagen musste, welches sich hinten im Buch befindet und in dem alle wichtigen Wörter erklärt werden.
Mir hat dieser jugendliche Schreibstil wirklich gut gefallen. Er liest sich sehr angenehm und zusammen mit der fesselnden Handlung habe ich das Buch trotz seiner über 500 Seiten sehr schnell durchgelesen.

Obwohl mir das The Hate U Give sehr gut gefallen hat, kann ich den Hype darum dennoch nicht so ganz nachvollziehen. Es kommen zwar viele wichtige Themen zur Sprache wie Rassismus, Gerechtigkeit, Loyalität, Familie und Freundschaft – aber ich würde das Buch nicht als „umwerfend und brillant“ bezeichnen wie Bestsellerautor John Green es getan hat. Sehr schön finde ich, dass auf Familie und Freundschaft hier sehr großen Wert gelegt wirkt. Auch wird natürlich das Thema Rassismus nur zu realistisch und authentisch beschrieben. Ich aber fand es etwas schade, dass der Prozess am Ende und das Urteil sehr knapp ausfielen. Das hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht. Ansonsten kann ich es noch nicht mal genauer erklären, wieso ich nun nicht so hellauf begeistert von dem Buch bin wie ich aufgrund der Meinungen anderer erwartet hätte. Es hat mich zwar berührt und zum Nachdenken angeregt, aber mir hat einfach etwas gefehlt, was meiner Meinung nach diesen Trubel um das Buch rechtfertigt.
Empfehlen kann ich das Buch aber auf jeden Fall sehr! Ich denke schon, dass man The Hate U Give gelesen haben sollte. Angie Thomas ist ein wundervoller Debütroman gelungen, der einem nur zu deutlich vor Augen führt, in was für schrecklichen und ungerechten Verhältnissen viele Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe leben müssen.


Fazit: Ein Jugendroman, welcher schonungslos und nur zu realistisch das wichtige Thema Rassismus behandelt und einen sehr zum Nachdenken anregt. The Hate U Give ist ein sehr bewegender Roman, der einen schockiert, der einen aber auch mit seinem Humor zum Lachen bringen kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und auch sehr berührt, allerdings kann ich den Hype darum nicht ganz nachvollziehen. Von mir bekommt der Debütroman von Angie Thomas natürlich dennoch volle 5 von 5 Sternen!


Montag, 7. August 2017

[Rezension] Als wir fast mutig waren von Jen White

Hardcover
320 Seiten
ISBN: 978-3-551-55680-6
Ab 12 Jahren
Erschienen: 28.07.2017

Klappentext:

Stell dir vor, du bist zwölf Jahre alt und wirst von deinem Vater nach einem Streit an einer Tankstelle zurückgelassen, mitten in der Wüste von Arizona. Es ist mörderisch heiß, du hast Durst und eine kleine Schwester an deiner Seite, die nur Flip-Flops trägt und genauso große Sehnsucht nach eurer Mutter hat wie du. Aber immer, wenn du nicht mehr weiterweißt, holst du dein Notizbuch heraus und machst dir einen genauen Plan: Vertrau deinem Instinkt. Hör auf dein Herz. Sei mutig, wenn du kannst. Dies ist die Geschichte von Liberty und ihrer kleinen Schwester Billie, die mehr als nur fast mutig sein mussten, auf ihrem abenteuerlichen Weg zurück nach Hause.

Quelle: Carlsen Verlag



Rezension:

Dieses Buch ist mir in der Buchhandlung aufgefallen. Als ich es auf einem Tisch mit Neuerscheinungen entdeckt hatte, hat das Cover meine Neugier sofort geweckt. Nachdem ich mir den Klappentext durchgelesen hatte, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen! Also wurde kurzerhand ein Exemplar gekauft und zu Hause habe ich sogleich mit dem Lesen begonnen.

Die zwölfjährige Liberty und ihre kleine Schwester werden nach einem Streit von ihrem Vater an einer Tankstelle zurückgelassen. Mitten in der Wüste von Arizona. Ohne Essen und Trinken. Es ist heiß und die beiden Kinder haben Durst. Ganz auf sich alleine gestellt versuchen die beiden Schwestern den Weg nach Hause zurückzufinden. Zum Glück hat Liberty ihr Notizbuch dabei, in dem sie ihre Gedanken zu ihrem weiteren Vorgehen notieren kann. Auch ist Liberty ein mutiges und sehr kluges Mädchen. Sie liebt ihre kleine Schwester Billie über alles und möchte unbedingt mit ihr zusammenbleiben. Da aber die Mutter der beiden Mädchen vor kurzem verstorben ist und der Vater die beiden einfach ausgesetzt hat, hat Liberty große Angst, dass sie von ihrer Schwester getrennt werden könnte. Daher versucht sie ganz alleine, sich und Billie aus der Wüste Arizonas zu führen. Ein Abenteuer erwartet die beiden Mädchen, welches nicht leicht ist und sehr großen Mut erfordert.

Ich war ja schon von dem Cover hellauf begeistert gewesen, aber von der Geschichte in diesem zauberhaften Buch bin ich ja noch viel mehr angetan. Schon vom ersten Kapitel an war ich ganz gebannt und wollte das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen.
Bereits der Anfang ist total fesselnd und zudem sehr schockierend. Wie kann ein Vater nur seine eigenen Kinder mitten in Arizona an einer Tankstelle zurücklassen? Dies ist mir ja unbegreiflich und ich habe sehr großes Mitleid mit den beiden Mädchen empfunden. Diese haben es gerade echt nicht leicht: erst ist ihre geliebte Mutter verstorben und dann erweist sich ihr Vater, den sie schon seit längerem nicht mehr gesehen hatten, als so lieblos, dass er sie einfach aussetzt.

Wie sich Liberty dann durchkämpft und sich um ihre Schwester kümmert, sich sehr berührend und regt einem auch sehr zum Nachdenken an. Ich habe Liberty ja sehr für ihre Stärke und ihren Mut bewundert. Und auch für ihre Intelligenz. Wir erfahren ja alles aus der Sicht der 12-jährigen Liberty und man merkt sofort an der Erzählweise, dass dieses Mädchen sehr klug und für ihr Alter sehr erwachsen ist. Natürlich merkt man auch, dass hier ein junges Mädchen erzählt. Der Autorin ist es wirklich wunderbar gelungen, die Geschichte in einem kindlichen Schreibstil zu verfassen. Dennoch kam mir Liberty oft schon erschreckend reif für ihre 12 Jahre vor. Ihre Schwester Billie dagegen wirkte auf mich für ihre acht Jahre deutlich jünger. Sie hätte in der Wüste alleine nicht lange überlebt, aber mit ihrer großen Schwester an ihrer Seite braucht die Kleine keine Angst zu haben. Es hat mich wirklich zutiefst berührt, wie liebevoll sich Liberty um ihre kleine Schwester kümmert.

Die Autorin beschreibt den abenteuerlichen Nachhauseweg der beiden Mädchen sehr bewegend und gefühlvoll. Das Buch liest sich wirklich klasse und obwohl es nur knapp über 300 Seiten hat, hatte ich ja den Eindruck, ein viel dickeres Buch gelesen zu haben, weil in diesem einfach sehr viel passiert.
Ich würde die Geschichte noch nicht einmal als wirklich spannend bezeichnen. Dennoch ist man von ihr richtig gefesselt und möchte das Buch am liebsten in einem Rutsch durchlesen. Zumindest ging es mir so.
Durch diese besondere Erzählweise kann man sich wunderbar in Liberty hineinfühlen und ihre Gedanken sehr gut nachvollziehen. Mir war Liberty ja sofort sehr sympathisch gewesen und auch die kleine Billie habe ich fest in mein Herz geschlossen. Als Leser verspürt man die ganze Zeit über den großen Wunsch, dass die beiden aus der Wüste hinausfinden und zu der besten Freundin ihrer Mutter kommen. Diese hat sich nach deren Tod um die Schwestern gekümmert. Hätte sie geahnt, was für ein Mensch der Vater von Liberty und Billie ist, hätte sie ihm die beiden bestimmt nicht so einfach überlassen.
Auf ihrem beschwerlichen Weg zurück versucht Liberty immer wieder die Freundin der Mutter zu erreichen. Nur geht diese nie ans Telefon und es springt immer nur die Mailbox an. Ich habe ja die Verzweiflung von Liberty richtig geteilt, als diese es immer und immer wieder versucht hat und einfach keinen Erfolg hatte.

Am Ende des Buches erfährt man dann auch, wieso der Vater der beiden so gehandelt hat. In gewisser Weise kann man es verstehen, aber wirklich gutheißen tut man es dennoch nicht. Ich war ja die ganze Zeit über sehr wütend auf den Vater und auch am Ende noch hat sich meine Wut nicht wirklich gelegt.
So schockierend das Thema des Buches auch ist, ich hatte dennoch jede Menge Spaß beim Lesen. Ich habe in der letzten Zeit viele schöne Bücher gelesen und dieses hier zählt ganz klar zu meinen Lieblingen.

Ich kann jedem nur raten: Lest dieses Buch! Es ist zwar für Jugendliche ab 12 Jahren, aber auch absolut lesenswert für Erwachsene. Jüngere Kinder werden hier vermutlich nicht so viel Spaß am Lesen haben, weil das Buch schon recht ernst ist und auch nicht wirklich witzig. Dafür aber ist „Als wir fast mutig waren“ sehr emotional und bewegend. Mich hat die Geschichte sehr nachdenklich gemacht und mich eine ganze Weile lang nicht mehr losgelassen. Ich bin sehr froh, dass ich dieses wundervolle Buch entdeckt und gelesen habe.


Fazit: Ein wunderschönes und sehr bewegendes Buch, welches einen vom ersten Moment an fesselt und einen zutiefst berührt. Hier wird eine sehr emotionale und authentische Geschichte über zwei Schwestern erzählt, die für ihr Alter sehr tapfer und mutig sind und auf ihrem Weg zurück nach Hause niemals die Hoffnung verlieren. Das Buch ist zwar recht ernst, dennoch wird hier eine einzigartige Atmosphäre geschaffen, die den Leser in seinen Bann zieht und in eine nachdenkliche Stimmung versetzt. Dieses Buch sollte man gelesen haben. Ich bin hellauf begeistert von „Als wir fast mutig waren“ und gebe dem Buch volle 5 von 5 Sternen!


Sonntag, 6. August 2017

[Rezension] Herr Huth hat Schuld von Jochen Till

Hardcover
Mit Illustrationen von Daniel Djanie
Ab 4 Jahren
36 Seiten
ISBN: 9783864293429
Erscheinungsdatum: 24.07.2017

Klappentext:


Es ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Welt: Warum landet das Geschäft der Vögel immer ausgerechnet auf unseren Köpfen und Schultern? Weil es vor langer Zeit einen kleinen Vogel namens Hugo gab, der ganz dringend musste und dabei leider den Hut von Herrn Huth traf. Aus Versehen, ehrlich! Hugo wollte sich sofort bei Herrn Huth entschuldigen und die ganze Sache aufklären. Aber als Herr Huth das Malheur auf seinem Hut sah, wurde er wütend. Er verjagte Hugo mit bösen Beschimpfungen. Das nun ließ sich Hugo nicht gefallen und alarmierte die Vogelwelt. Und aus Rache heckten die Vögel einen fiesen Plan aus … Seitdem treffen uns immer und immer wieder die großen Geschäfte der kleinen Vögel.

Quelle: Tulipan Verlag


Rezension:

Nachdem mir das Bilderbuch „Ich bin für dich da!“ von Zapf, zusammen mit Jochen Till, so gut gefallen hatte, wollte ich auch unbedingt Jochen Tills anderes neues Buch aus dem Tulipan Verlag kennenlernen: „Herr Huth hat Schuld“. Der Klappentext klang wirklich vielversprechend und sehr niedlich, daher war meine Vorfreude auf dieses schöne Bilderbuch sehr groß gewesen!

Früher war alles besser gewesen, in der guten alten Zeit, als alle Menschen und Tiere noch nett und wohlerzogen waren. Sogar die Vögel gingen damals zur Schule und lernten sehr wichtige Dinge. So zum Beispiel auch, dass man sein Geschäft nicht auf den Köpfen der Menschen verrichten durfte. Dann aber passiert einem kleinen Vogel namens Hugo ein kleines Missgeschick: er darf das erste Mal alleine über die große Stadt fliegen und während dieses Fluges muss er plötzlich mal ganz dringend. Er kann es einfach nicht mehr anhalten und...leider fällt sein Geschäft auf den Hut von Herr Huth. Hugo ist entsetzt und möchte sich unbedingt bei dem Mann entschuldigen. Es stellt sich aber dann als etwas schwierig heraus, dieses Vorhaben durchzuführen. Als Hugo endlich bei Herrn Huth angelangt ist und dieser erst jetzt das Malheur auf seinem Hut entdeckt, scheucht er den kleinen Vogel wütend weg. Die Vögel reagieren darauf sehr erbost und seitdem scheren sie sich nicht mehr darum, wo ihre Hinterlassenschaften landen.

In diesem tollen Bilderbuch finden wir die schönste aller Erklärungen, wieso die Vögel uns Menschen ständig auf den Kopf machen. Ich war ja schon von dem Klappentext sehr angetan gewesen, als ich mir dann aber das Buch durchgelesen und die vielen schönen farbigen Illustrationen angesehen habe, ist meine Begeisterung für „Herr Huth hat Schuld“ nur noch größer geworden.

Jochen Till und Daniel Djanie ist hier ein wirklich super Buch gelungen! Die Geschichte finde ich total witzig und liebenswert und die vielen großen Zeichnungen haben mir richtig gut gefallen. Sehr humorvoll und kindgerecht wird einem hier eine Erklärung dafür geboten, warum die Vögel uns Menschen immer wieder auf den Kopf kacken müssen.
Ich fand die Idee, dass die Vögel früher in der Schule gelernt haben, dies auf keinen Fall zu tun, sehr witzig. Früher war einfach alles besser gewesen, das hört man doch ständig. Anscheinend trifft dies ja auch zu, zumindest waren wir Menschen früher vor Vogelkacke noch sicher gewesen.
Dann aber ist einem kleinen Vogel ein Missgeschick passiert, was diesem auch sofort leid tut. Doch anstatt die Entschuldigung des kleinen Vogels anzunehmen, scheucht Herr Huth, auf dessen Hut das Geschäft gelandet ist, den kleinen Hugo einfach weg. Verständlich, dass die Vögel darauf verärgert reagieren. Da geben sie sich immer solche Mühe, bloß nicht auf uns Menschen zu kacken, und dann sind diese noch nicht einmal bereit, eine Entschuldigung anzunehmen, wenn mal ein kleines Missgeschick passiert. Tja, und seitdem machen die Vögel uns Menschen sogar absichtlich immer auf den Kopf.
Ich habe mich beim Lesen hier köstlich amüsiert. Die Geschichte ist echt super und die vielen schönen Bilder dazu machen das Lesevergnügen perfekt! Die Illustrationen sind sehr liebevoll und witzig gezeichnet worden und machen nicht nur Kindern große Freude beim Betrachten. Hugo mit seinen eckigen Augen habe ich ja sofort fest in mein Herz geschlossen. Dem kleinen Kerl tut es so leid, dass ihm dieses Missgeschick passiert ist und möchte sich unbedingt bei Herrn Huth entschuldigen. Doch dieser ist erstaunlich schwer zu erreichen, da er ständig in Züge oder Busse steigt. Die Zeichnungen zu den Versuchen von Hugo, endlich seine Entschuldigung loszuwerden, sind wirklich herzallerliebst!

Das Buch eignet sich prima zum Vorlesen und bietet einen tollen Lesespaß für die ganze Familie! Kinder ab 4 Jahren werden die Geschichte ohne Probleme verstehen können und von den großen Illustrationen ganz begeistert sein. Diese nehmen auch immer die ganze Seite ein; Text befindet sich nur sehr wenig in dem Buch. Auf jeder Seite befindet sich immer nur ein Satz, ganz selten mal zwei oder drei. Für kleine Kinder ist dieses Buch daher sehr zu empfehlen, da sie viele tolle Bilder zum Angucken haben und nicht von zu viel Text überfordert werden.
Der Humor der Geschichte hat mir ja sehr gut gefallen und wird auch schon von Vierjährigen gut verstanden werden können. Nur weil Herr Huth so gereizt auf den kleinen Hugo reagiert und ihn einfach verjagt hat, machen uns die Vögel nun aus Rache immer wieder auf den Kopf. Daher finde ich ja auch den Titel des Buches sehr passend: Herr Huth hat Schuld. Ja, das stimmt wohl. ;-)

Fazit: Ein sehr unterhaltsames und richtig tolles Bilderbuch! Die Geschichte wird sehr humorvoll und kindgerecht erzählt. Die schönen Illustrationen dazu sind klasse und es macht großen Spaß, diese immer wieder aufs Neue zu betrachten. Kinder werden mit diesem Buch ihre wahre Freude haben und Erwachsene werden hier aus dem Schmunzeln nicht mehr herauskommen. Mein Lesevergnügen war hier perfekt und ich gebe dem Buch sehr gerne volle von 5 von 5 Sternen!




Vielen Dank an den Tulipan Verlag, der mir dieses wunderschöne und sehr unterhaltsame Bilderbuch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!